Urlaubstagebuch – Tag 6

Heute wachten wir erstaunlich spät auf. Offenbar hatten die vielen Erlebnisse der vergangenen Tage ihre Spuren hinterlassen und wir genossen die erholsame Nacht in unserem Dachzelt in vollen Zügen.

Wie mittlerweile jeden Morgen begann auch dieser Tag mit unserem kleinen Ritual. Wir gingen gemeinsam hinunter zum See, frühstückten in aller Ruhe und schmiedeten Pläne für den weiteren Tagesverlauf. Während wir auf das Wasser blickten, fiel unser Blick immer wieder auf eine alte Ruine am gegenüberliegenden Ufer, die uns bereits seit unserer Ankunft neugierig gemacht hatte.

Also schauten wir auf der Karte nach, ob man sie erreichen konnte. Tatsächlich fanden wir einen Parkplatz ganz in der Nähe und machten uns kurze Zeit später auf den Weg.

Schon der Weg zur Ruine war ein kleines Abenteuer. Der schmale Pfad führte mitten durch die unberührte Natur Schwedens. Über Wurzeln, Steine und schmale Holzstege schlängelte sich der Weg durch den Wald, während ringsherum nur Vogelgezwitscher und das Rascheln der Bäume zu hören waren. Mit jedem Schritt wurde die Ruine etwas größer, bis wir schließlich den höchsten Punkt erreichten.

Oben angekommen wurden wir mit einem traumhaften Ausblick belohnt. Vor uns lag der gesamte See, eingerahmt von dichten Wäldern und der typisch schwedischen Landschaft. Die alte Ruine verlieh diesem Ort eine ganz besondere Atmosphäre. Wir setzten uns eine Weile auf die alten Steine, ließen die Aussicht auf uns wirken und genossen einfach den Moment.

Nach einer ganzen Weile machten wir uns schließlich wieder auf den Rückweg zum Auto.

Dort angekommen bereiteten wir uns zunächst etwas zu essen zu und planten die nächste Etappe unserer Reise. Da das Ende unseres Schwedenurlaubs langsam näher rückte, beschlossen wir, uns wieder etwas weiter in Richtung Süden zu orientieren. So würden die Fahrstrecken an den letzten Urlaubstagen etwas entspannter ausfallen.

Während der Fahrt geschah dann etwas, worauf wir die ganze Reise über gehofft hatten.

Mitten auf der Straße stand plötzlich eine Elchkuh.

Ganz ruhig blickte sie zu uns herüber. Sie wirkte riesig – deutlich größer, als wir sie uns vorgestellt hatten. Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Wir blieben natürlich stehen und beobachteten das beeindruckende Tier aus sicherer Entfernung. Nach einigen Augenblicken verschwand sie genauso ruhig, wie sie aufgetaucht war, zwischen den Bäumen des Waldes.

Allein für diesen kurzen Moment hatte sich das Warten gelohnt.

Die letzten Kilometer führten uns über schmale, teilweise ziemlich abenteuerliche Waldwege zu unserem nächsten Schlafplatz. Schließlich erreichten wir einen kleinen Parkplatz direkt an einem See, an dem wir den restlichen Nachmittag in aller Ruhe verbrachten.

Gegen Abend kam noch ein schwedisches Paar mit einem kleinen Jungen und ihrem Wohnwagen an. Beim Einparken passierte jedoch das Missgeschick: Der Wohnwagen fuhr sich auf dem unebenen Untergrund fest. Auch nach mehreren Versuchen schafften die beiden es nicht, ihn wieder frei zu bekommen.

Da zögerten wir nicht lange und boten unsere Hilfe an.

Gemeinsam schoben, lenkten und probierten wir verschiedene Möglichkeiten aus. Nach einigen Anläufen gelang es schließlich, den Wohnwagen wieder auf festen Untergrund zu bringen.

Die Erleichterung war den beiden deutlich anzusehen. Immer wieder bedankten sie sich herzlich bei uns. Besonders niedlich war ihr kleiner Sohn, der uns mit einem breiten Lächeln immer wieder ein fröhliches „Thank you!“ zurief. Das war wirklich zuckersüß und zauberte uns sofort ein Lächeln ins Gesicht.

Nach dieser ungeplanten Hilfsaktion kehrte wieder Ruhe ein. Wir bereiteten unser Abendessen zu, beobachteten, wie die Sonne langsam hinter den Bäumen verschwand, und ließen den Tag anschließend gemütlich am Lagerfeuer ausklingen.

Der sechste Urlaubstag zeigte einmal mehr, wie abwechslungsreich unsere Reise war. Eine Wanderung zu einer alten Ruine, die lang ersehnte Begegnung mit einer Elchkuh und die spontane Hilfe für eine schwedische Familie – genau solche ungeplanten Momente sind es, die einen Urlaub unvergesslich machen.

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